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Montag, 05. September 2011

VIV-Interview mit Thomas Rachel MdB – Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung

Thema: Forschung und Entwicklung

11-09 Rachel  OssenbrinkVIV: Herr Rachel, wo stehen wir bei Forschung und Entwicklung in Deutschland im Verhältnis zu anderen Staaten?

Thomas Rachel: Wir stehen im internationalen Vergleich sehr gut da. Und gerade in den letzten zwei Jahren zeigt sich sehr deutlich, dass es richtig war und bleibt, dass die Bundesregierung und die deutschen Unternehmen an der Forschung nicht gespart, sondern die Investitionen noch erhöht haben.

Ich glaube, das ist ein entscheidender Grund dafür, dass die deutsche Volkswirtschaft derzeit so stark ist. Mit der Hightech-Strategie hat die Bundesregierung 2006 erstmals ein nationales Gesamtkonzept vorgelegt, das die wichtigsten Akteure des Innovationsgeschehens hinter einer gemeinsamen Idee versammelt: Leitmärkte schaffen, die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft vertiefen und die Rahmenbedingungen für Innovationen weiter verbessern. Dass wir damit auf dem richtigen Weg sind, bescheinigt uns übrigens auch das aktuelle Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation.

VIV: Wo sind unsere Stärken, wo die Schwächen?

Thomas Rachel: Sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung sind Institute und Unternehmen aus Deutschland auf vielen Gebieten führend. Ich kann unmöglich alle Disziplinen aufzählen. Chemie, Physik, die klassischen Naturwissenschaften sind traditionell stark in Deutschland. Und dass deutsche Ingenieure besonders gute Maschinen und Anlagen entwickeln, weiß man auf der ganzen Welt. In der Medizin und der Medizintechnik, in den Umwelt- und Ingenieurwissenschaften liegen deutsche Forschungsinstitute weltweit vorn. Auch in den optischen Technologien, Mikrosystemtechnik, Neurowissenschaften, Biotechnologie sind deutsche Forscher erstklassig. Und bitte vergessen Sie auch nicht unsere hervorragenden Leistungen in den Geisteswissenschaften, zum Beispiel in der Archäologie. Natürlich gibt es auch Technologien, bei denen wir noch aufholen müssen. In der Batterieforschung zum Beispiel, der Schlüsseltechnologie für die Elektromobilität sind japanische und US-amerikanische Institute und Unternehmen sehr stark. Aber wir müssen und werden auf diesem Gebiet an der technologischen Spitze stehen, um Deutschland zum Leitanbieter für Elektromobilität zu machen. Im Rahmen des Regierungsprogramms Elektromobilität, in das wir bis 2013 über eine Milliarde Euro investieren, fördern wir unter anderem auch eine Modellproduktionsanlage für Lithiumionen-Batterien in Ulm, gemeinsam mit Industrieunternehmen.

VIV: Wie viel stecken deutsche Unternehmen und der Staat in Forschung und Entwicklung?

Thomas Rachel: Im Jahre 2009 investierten der Staat und private Unternehmen in Deutschland 2,78 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Forschung und Entwicklung, das ist mehr als andere große Industrienationen, wie die USA, Frankreich oder Großbritannien, investieren. Und ich kann Ihnen, zumindest was die Forschungsinvestitionen der Bundesregierung angeht, ganz klar sagen: Sie steigen. Sie betragen im Jahr 2011 12,85 (Soll) Mrd. Euro. Seit dem Amtsantritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel sind die Forschungsausgaben um 42,2 Prozent von 9,04 Mrd. Euro (2005) auf 12,85 Mrd. Euro gestiegen.

VIV: Wo setzt die staatliche Forschungsförderung besondere Schwerpunkte?

Thomas Rachel: Im Rahmen der Hightech-Strategie legen wir besonderes Gewicht auf fünf Themenfelder, in denen Deutschland schon Vorreiter ist oder es werden soll: Klima und Energie, Gesundheit und Ernährung, Mobilität, Sicherheit und Kommunikation. Diese Felder entsprechen den großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft. Die Umstellung der Energieversorgung stellt uns natürlich vor besondere Herausforderungen. Die Erforschung erneuerbarer Energien steht daher weit oben auf unserer Prioritätenliste.

VIV: Wie steht Deutschland 2020/2025 da? Werden unsere Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen haben? Thomas Rachel: Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Aber ich bin überzeugt, dass wir jetzt für gute Bedingungen sorgen, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft mittel- und langfristig zu sichern helfen. Die Hightech-Strategie dient diesem Ziel.

VIV: Deutsche Universitäten und Hochschulen müssen in den nächsten Jahren deutlich mehr Studenten verkraften. Sind wir darauf gut vorbereitet?

Thomas Rachel: Die zusätzlichen Studierenden sind an den deutschen Hochschulen willkommen. Sie sind eine Chance für unser Land. Im Hochschulpakt haben sich der Bund und die Länder zusammengetan, um neue Studienplätze zu schaffen. Im März haben Bund und Länder vereinbart, die bisher im Hochschulpakt bis 2015 festgelegte Finanzierungsobergrenze anzuheben. Zwischen 2011 und 2018 stellt allein der Bund 4,7 Mrd. Euro zur Verfügung. Das ist die größte Bildungsinvestition seit Jahrzehnten. Diese Zusagen von Bund und Ländern geben den Hochschulen die nötige Planungssicherheit, um rechtzeitig die erforderlichen Studienangebote zu schaffen. Damit können wir auch den zusätzlichen Studienanfängern gute Bedingungen bieten.

VIV: Wir wissen, dass Sie sich sehr für die Region engagieren. Profitieren auch Unter-nehmen aus dem Kreis Düren von der Forschungsförderung Ihres Ministeriums?

Thomas Rachel: Wir haben im Kreis Düren eine ganze Reihe von innovativen Unternehmen, auch im Mittelstand. Beispielsweise wurden und werden Forschungsprojekte der Firmen Sihl, Schoellershammer und Andritz Kufferath gefördert. Vor wenigen Tagen war ich bei der Firma Isola und habe einen Bewilligungsbescheid überbracht.


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